GLANDIENALE
SAO PAULO
02/12 — 13/01
2017

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    Konspirative Räume
    Zeichnungen
    Papier, Kohle, Bleistift, Buntstift

    Innenaufnahmen von geheimen und konspirativ genutzten Wohnungen dienen als Ausgangspunkt für die Zeichnungen der Serie Konspirative Räume. Diese konspirativen Wohnungen dienten dem Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) der ehemaligen DDR als Treffpunkt von Inoffiziellen Mitarbeitern mit ihren Führungsoffizieren. Eingebettet in das Alltagsleben der Informanten wurde in den geheimen Wohnungen eine scheinbar gelöste und wohnliche Atmosphäre erzeugt, die dem Zweck des Verrats und der Denunziation diente. Es sind Nicht-Orte und es entspricht dem Wesen der konspirativen Nutzung, dass diesen geheimen Trefforten jede spektakuläre Anmutung abgeht. Sie bilden vielmehr eine oberflächliche Imitation von realen Wohnräumen und die Unterschiede, Verschiebungen und Brüche finden sich in wenigen, aber präzisen Details. Die Zeichnungen widmen sich der besonderen Psychologie dieser Innenräume und ihrer Ambivalenz des unheimlich Heimlichen.

    „Eine Konspirative Wohnung soll sich in einem sauberen Zustand befinden, damit sich der Geheime Mitarbeiter dort wohl fühlt. Es sollten Imbiss, Getränke und Rauchwaren bereitgestellt werden. Bei weiblichen Geheimen Mitarbeitern ist an Süßwaren zu denken. Konspirative Wohnungen sollen nicht in Gebäuden eingerichtet werden, die von Parteien oder Staatsorganen genutzt werden, sondern in Gebäuden mit regem Publikumsverkehr, an verkehrsreichen Straßen, möglichst im Mittelgeschoss gelegen. Wichtig sind auch freie Sichtachsen von der Konspirativen Wohnung und ein politisch zuverlässiges Umfeld.“
    (Ministerium für Staatssicherheit – Richtlinie über die Erfassung der geheimen Mitarbeiter, der Informanten und der Personen die konspirative Wohnungen unterhalten – 20.11.1952)